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Mit dem „Theodor-Haecker-Preis für politischen Mut und Aufrichtigkeit – Internationaler Menschenrechtspreis der Stadt Esslingen am Neckar“ wird die Menschenrechts- und Umweltaktivistin Laísa Santos Sampaio aus Brasilien ausgezeichnet.

Der Preis wird am Sonntag, 28. Juni 2015 um 11 Uhr im Neckar Forum der Stadt Esslingen durch Oberbürgermeister Dr. Jürgen Zieger vergeben.

In der Begründung der Stadt Esslingen, die Oberbürgermeister Dr. Jürgen Zieger bekannt gab, wird Laísa Santos Sampaio für ihr Engagement zur Verteidigung des Wald-Ökosystems im Amazonasgebiet als Lebensgrundlage der dort ansässigen Menschen, bei dem sie sich auch unter dem Risiko der persönlichen Gefährdung gegen den illegalen Holzeinschlag in ihrer Region und gegen die Straffreiheit der dafür Verantwortlichen und daran Beteiligten einsetzt, geehrt. Mit der Zuerkennung des Preises wird auch ihre Arbeit im Frauenhandwerkerinnen-Projekt (Grupo de Trabalhadoras Artesanais extrativistas) anerkannt, mit der sie eine nachhaltige Entwicklung fördert und damit auch einen Betrag zum globalen Klima- und Umweltschutz leistet.

Die Laudatio auf die Preisträgerin wird Michael Stocks halten, Leiter des ARD-Studios in Rio de Janeiro.
Laísa Santos Sampaio gehört zu einer Gruppe Menschenrechtsverteidigern in der Praia alta Piranheira Siedlung in der Region Pará, die im Amazonasgebiet das Wald-Ökosystem verteidigen, das die Lebensgrundlage der dort ansässigen Menschen ist. Sie wurde wiederholt bedroht und fürchtet um ihr Leben. 2011 wurde Laísa Santos Sampaio und ihre Familie zum Ziel von Morddrohungen und Angriffen. Ihre Schwester und ihr Schwager wurden getötet – als Vergeltungsmaßnahme, weil sie sich gegen die rechtswidrige Abholzung von Wald in Brasilien eingesetzt hatten.

Mit ihrem lokalen Frauenhandwerkerinnen-Projekt fördert Laísa Santos Sampaio nachhaltige Entwicklung und setzt sich gegen den illegalen Holzeinschlag in ihrer Region ein. Mit erheblichem Risiko leistet sie Widerstand gegen die illegale Ausbeutung des Waldes und protestiert gegen die Straffreiheit von illegal arbeitenden Holzfällern, Holzkohleproduzenten, Viehzüchtern und Landräubern.
 
Die Ehrengabe zum Theodor-Haecker-Preis erhält die Esslinger Gruppe Soroptimist International (SI), Club Esslingen. Das Leitmotiv der Soroptimisten weltweit ist Bewusstmachen, Bekennen, Bewegen. In ihrem Netzwerk setzen sie sich für ethische Grundsätze und Menschenrechte – insbesondere von Frauen und Mädchen – ein. Sie nehmen nur weibliche Mitglieder auf.

Die Esslinger SI-Gruppe, zu der 27 Frauen aus 27 unterschiedlichen Berufen gehören, arbeiten im Rahmen ihres Mottos „Heimat in der Fremde“ an der Verbesserung der Aufenthalts-, Lebens- und Ausbildungsbedingungen der Frauen und Kinder im Asylbewerberheim an der Rennstraße in Esslingen. Mit Lesungen, Themenabenden und Aktionen machen sie auf die Situation aufmerksam und finanzieren Sprachkurse und Unterstützungsangebote.

Am selben Abend um 18 Uhr findet das „Politische Forum“ in der Volkshochschule, Mettinger Straße 125, Esslingen, statt. Podiumsgäste sind die Preisträgerin Laísa Santos Sampaio und der Laudator Michael Stocks. Die Moderation übernimmt Stefanie Dodt, Redakteurin beim SWR.
 
Der Theodor-Haecker-Preis wird seit 1995 alle zwei Jahre vergeben. Erster Preisträger war der russische Menschenrechtler Sergej Kowaljow, die Laudatio hielt Gerd Ruge. Preisträgerin im Jahr 1997 war Jehan Sadat, die Laudatio übernahm Sabine Christiansen, 1999 wurde der Preis an die algerische Journalistin Salima Ghezali verliehen, Laudator war Heiko Engelkes. Eine außerordentliche Preisverleihung fand im Jahr 2000 an den weißrussischen Oppositionspolitiker Viktor Gontschar statt, die Laudatio hielt Gabriele Krone-Schmalz. 2001 wurde die serbische Menschenrechtlerin und Friedensforscherin Vesna Pesic ausgezeichnet, Laudator war Peter Miroschnikoff, 2003 erhielt der ruandische Theologe Laurien Ntezimana den Preis, Laudator war Hans-Josef Dreckmann. Preisträgerin im Jahr 2005 war die türkische Rechtsanwältin Eren Keskin, die Laudatio hielt Dieter Sauter. Im Jahr 2007 wurde der Preis der mexikanischen Menschenrechtsaktivistin Judith Galarza zuerkannt, die Laudatio hielt Michael Castritius, 2009 wurde Kitwe Mulunda Guy aus der Demokratischen Republik Congo mit dem Preis ausgezeichnet, Laudator war Peter Schreiber. 2011 wurde die iranische Menschenrechtsaktivistin Shiva Nazar Ahari mit dem Menschenrechtspreis geehrt, sie konnte nicht persönlich zur Preisvergabe kommen. Ihre Weggefährtin und Mitaktivistin Parisa Kakaee nahm den Preis stellvertretend für sie entgegen. Die Laudatio hielt Golineh Atai. Im Jahr 2013 wurde die aserbaidschanische Menschen- und Bürgerrechtsaktivistin Dr. Leyla Yunus mit dem Preis ausgezeichnet, sie ist seit Juli 2014 inhaftiert. Laudator war Georg Restle.

Theodor Haecker wurde 1879 in Eberbach geboren und starb 1945 in Ustersbach. Er hat einen großen Teil seines Lebens in Esslingen verbracht. Während des Nationalsozialismus war Haecker mit Redeverbot belegt. In dieser Zeit entstand sein wichtigstes Werk, die Tagebuchaufzeichnungen “Tag- und Nachtbücher”. Diese Tagebuchnotizen zählen zu den beeindruckendsten Reflexionen über den Faschismus. Sie sind das Dokument eines Intellektuellen im inneren Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Dem Widerstand gegen das Hitler-Regime galten Haeckers Ausführungen als eines der wichtigsten schriftliche Dokumente. Haecker hatte Bindungen an den Kreis der Geschwister Scholl, in dessen Runde er mehrfach Auszüge seiner “Tag- und Nachtbücher” vortrug.

Pressemitteilung der Stadt Esslingen