Richard Pick unterstützt die Initiative Hotel Silber und erzählt in einem Brief, von seinen Erinnerungen an die ehemalige Gestapozentrale “Hotel Silber”.

Der Brief im Wortlaut:

 

Liebes Fraeulein L.,

Gewiss erinnere ich mich leider nur zu gut an das “Hotel Silber” wo sich das beruechtigte Hauptquartier der Gestapo befand. Ich arbeitete von 1939 bis zu meiner “Auswanderung” im Juli 1941 auf der Juedischen Auswandererstelle fuer Wuerttemberg und Hohenzollern, welche von der Gestapo – Inspektor Koch – ueberwacht wurde.

Julius Baumann, fuer den Sie in meinem Namen einen Stolperstein setzten, wurde im Jahr 1941 von der Gestapo verhaftet, geschlagen, nach Mauthausen tranportiert wo er ermordet wurde.

Ich selbst musste mich bei Inspektor Koch “abmelden”. Zwei Meter for seinem Schreibtisch musste ich stramm stehen. “Jude Richard Israel Pick meldet sich zur Auswanderung, Herr Inspektor” sagte ich als 20-jaehriger mit bewegter Stimme. “Jude, warum willst Du auswandern? Gefaellt es Dir etwa nicht in Deutschland?” fragte er mich.

Ich glaube ich wurde rot im Gesicht und zitterte innerlich, denn was ich auch geantwortet haette, so oder so, haette mich in eine Zwickmuehle gebracht.

“Wohin willst Du auswandern?” – “Nach Liberien, Herr Inspektor”. Inspektor Koch machte eine fragende Miene “Wo ist Liberien?”  Ich zeigte es ihm auf der grosen Weltlandkarte welche an der Wand seines Zimmers hing. “Jude, wie wirst Du dorthin kommen?” wollte er wissen.

“Mit dem Schiff von Spanien nach Monrovia, der Hauptstadt Liberiens, Herr Inspektor”. -

Noch immer standen wir vor der Weltlandkarte.

“Dann wirst Du doch auch die Englaender in Gibraltar sehen” draengte er weiter. “Das weiss ich nicht, Herr Inspektor”.

Ich glaube meine Beine fingen schon an zu schlottern als Koch zu mir sagte “Abtreten Jude Pick!”

Karl Adler, zu jener Zeit war der Leiter der oben erwaehnten Auswandererstelle und befand sich des oeftern auf der Gestapo um fuer irgend einen juedischen Buerger ein Gesuch einzureichen, welches meist nicht genehmigt wurde

Das “Hotel Silber” ist mit so viel tragischer Stuttgarter juedischen Geschichte verbunden, und damit indirekt auch mit der deutschen Geschichte, dass man das Gebaeude als Mahnmal fuer zukuenftige Generationen unbedingt erhalten muss.

Gerne stehe ich ihnen jederzeit zur Verfuegung, denn Ueberlebende der Nazizeit, werden tagtaeglich weniger und es ist meines Erachtens nach wichtig, dass man die Erinnerung fuer zukuenftige Generationen wach haelt.

Ich wuensche ich Ihnen alles Gute, persoenlich und fuer Ihren Einsatz fuer diese Sache und wuerde mich freuen, wenn Sie meinen kleinen Beitrag zu dieser Sache an die betreffenden Stellen weiterleiten koennten.

 

Mit herzlichen Gruessen,

 

Ihr

Richard Pick

 

Eingestellt am 24.03.2011 03:50 Uhr
Thema: Hotel Silber
Tags: DaVinci Projekt, Hotel Silber, Stadtplanung
Share: Permalink